„Beim ersten Mal tut‘s noch weh“, weiß der deutsche Schlager. Eine Erfahrung, die die meisten schwulen Männer teilen werden: Um richtig Spaß bei Analsex zu haben und ganz entspannt an die Sache ran oder in die Sache rein zu gehen, braucht es ein paar Anläufe. Hat man aber erstmal herausgefunden, wie man die eigene Prostata oder die der Mitspieler zum Jubilieren bringt, versteht man schnell, warum sich diese Praxis durchgesetzt hat.

Genauer verstehen will das jetzt Psychologie-Studentin Emily Brandenburg, die in ihrer Bachelorarbeit an der Universität Hamburg Schmerzen beim mann-männlichem Analverkehr untersucht. Eine gute Sache, denn die Forschungslage zu Anodyspareunie, wie das Phänomen im Fachjargon heißt, ist ausgesprochen dünn. Wie zu jeder Form von schwuler Sexualität gibt es auch zu Analverkehr unter Männern so gut wie keine belastbaren Daten, Fakten oder größere Studien. In drei englischsprachigen Studien kam heraus, dass zwischen zwei und zwölf Prozent aller Männer, die Sex mit Männern haben und dabei Analverkehr praktizieren, starke Schmerzen haben, die sie nicht genießen, sondern als lustmindernd empfinden.

Brandenburg will mit ihrer Studie außerdem gegen die Diskriminierung bestimmter Praktiken wirken. Gut so, denn laut der letzten Sexumfrage der Zeitschrift NEON machen auch gut 15 Prozent aller heterosexuellen Männer unter 30 für Sex-Spielzeug gern mal die Hintertür auf. Dem Lustorgan Prostata ist es schließlich egal, welche sexuelle Orientierung jemand hat, auch wenn passiver Analverkehr für heterosexuelle Männer nach wie vor ein Tabubruch ist, bei dem die meisten von ihnen an Schmerzen oder gar Vergewaltigung denken.

Die neue Studie wird von einem Professor des Instituts für Sexualforschung an der Uniklinik Eppendorf betreut. Es wird nach homo- und bisexuellen Teilnehmern über 18 Jahren gesucht. Die Teilnahme dauert im Internet etwa 15 Minuten und ist anonym.

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