„Es gibt Abnormitäten unter den zwei Geschlechtern“ – sagt der Hassredner von Dresden Akif Pirinçci in seinem neuen Buch „Die große Verschwulung“ über Transsexualität – von der er ungefähr so viel Ahnung hat wie der Blinde von der Farbe. Der Autor weiter: „Wenn ein Mann sich einer Geschlechtsumwandlung unterzieht, verwandelt er sich deswegen nicht in eine Frau, sondern in einen verstümmelten Mann.“

Während der Geisteszustand Pirinçcis eine Sache für sich ist – die er als Autor ohne Verlag künftig hoffentlich auch für sich behält -, hat die Generalversammlung des Weltärztebundes am vergangenen Wochenende auf Initiative der Bundesärztekammer in Moskau ein „Statement on Transgender People“ verabschiedet. Darin wird Transgeschlechtlichkeit nicht länger pathologisiert und das Recht auf geschlechtliche Selbstbestimmung anerkannt. Ärzte und Mediziner werden aufgefordert, für eine bestmögliche und diskriminierungsfreie gesundheitliche Versorgung für transgeschlechtliche Menschen zu sorgen, die sich an ihren Bedürfnissen orientiert. Dazu gehört auch die Forderung, dass die rechtliche Änderung des Geschlechts nicht mehr davon abhängig gemacht werden darf, dass die Antragsteller dauernd fortpflanzungsunfähig sein müssen. Diese Voraussetzung stehe zwar noch in § 8 Abs. 1 des deutschen Transsexuellengesetzes, teilte der Lesben- und Schwulenverband Deutschlands, LSVD, mit – sie sei aber vom Bundesverfassungsgericht 2011 für verfassungswidrig erklärt worden.

Insgesamt begrüßte der LSVD die Neubewertung der Transgeschlechtlichkeit durch den Weltärztebund. Dies dürfe aber nicht dazu führen, dass demnächst die Krankenkassen die Bezahlung von geschlechtsangleichenden Operationen mit der Begründung ablehnen, dass keine Krankheit vorliege, so Ute Schwenke vom LSVD. „Für die weit überwiegende Mehrheit der Trans*-Personen sind geschlechtsangleichende medizinische Maßnahmen zwingende Voraussetzung für ihr Wohlbefinden und ihre mentale Gesundheit. Deshalb darf die Diagnose „Transsexualität“ in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD) nicht ersatzlos gestrichen werden; denn die Ärzt_innen dürfen nur die im ICD aufgeführten Diagnosen abrechnen (§ 295 Abs. 1 SGB 5).“

In der Neufassung des DSM 5, dem diagnostischen und statistischen Leitfaden psychischer Störungen, den die American Psychiatric Association seit 1952 herausgibt, wurde statt der bisherigen Diagnose „Transsexualität“ die neue Diagnose „Gender Dysphoria“ aufgenommen – was sich mit „Missstimmung“ übersetzen lässt. Damit soll die empfundene Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht „entpsychopathologisiert“, während zugleich der Leidensdruck im Fokus bleibt, der somatische Maßnahmen rechtfertigt. Bei der ICD wird dafür etwa die Diagnose „Geschlechtsinkongruenz“ vorgeschlagen.

Der LSVD fordert: „Gleichgültig auf welche Formulierung man sich einigt: Sie muss so lauten, dass die Krankenkassen weiter verpflichtet bleiben, die Kosten von geschlechtsangleichenden ärztlichen Behandlungen zu übernehmen.“

Titelfoto: Transamerica/Universum Film