Die Zahl der HIV-Neuinfektionen pro Jahr ist in Deutschland in den letzten Jahren stabil geblieben. Darauf weist die Deutsche AIDS-Hilfe anlässlich der gestern vom ECDC veröffentlichten Zahlen hin. Im Jahr 2014 infizierten sich nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) wie im Vorjahr rund 3.200 Menschen neu mit HIV. Die gestiegene Zahl der HIV-Neudiagnosen – erstmals diagnostizierte Fälle von HIV, bei denen die Übertragung des Virus schon Jahre zurückliegen kann – weist laut RKI nicht auf einen Anstieg bei den Neuinfektionen hin. Die Zahl der Neudiagnosen kann zum Beispiel von einem veränderten Testverhalten beeinflusst werden: Wenn sich mehr Menschen testen lassen, steigt sie. Das lässt keinen Rückschluss auf das aktuelle Infektionsgeschehen zu. Die Zahl der Neuinfektionen und der Neudiagnosen sind also nicht miteinander vergleichbar.

Ein Test sollte auch für Menschen in festen Beziehungen alle sechs Monate eine Selbstverständlichkeit sein.

Die seit Jahren ansteigende Testbereitschaft ist ein gutes Zeichen und eines der wirksamsten Mittel im Kampf gegen HIV und AIDS. Je mehr Menschen sich testen lassen, um so mehr wissen über HI-Status Bescheid und können sich entsprechend verhalten. Positive die eine wirksame Kombitherapie bekommen und deren Werte stabil unter der Nachweißgrenze sind, sind nicht infektiös, können HIV also nicht weitergeben. Ein Test sollte auch für Menschen in festen Beziehungen alle sechs Monate eine Selbstverständlichkeit sein. Schon, weil es feste Beziehungen sind, in denen das Virus im Moment in Deutschland derzeit am häufigsten weitergegeben wird. Dazu kommt es, weil hier oft nicht mehr ausreichend über HIV geredet wird oder Partner davon ausgehen, dass sie monogam leben, was in Wirklichkeit aber nicht der Fall ist.

Mit HIV infiziert haben sich 2014 rund 2 Millionen Menschen, 35 Prozent weniger als im Jahr 2000.

Vor zwei Tagen hatte UNAIDS neue, globale Zahlen veröffentlicht. Demnach lebten Ende 2014 schätzungsweise 36, 9 Millionen Menschen mit HIV oder Aids, davon etwa 17,1 Millionen, ohne von ihrer Infektion zu wissen. Mit HIV infiziert haben sich 2014 rund 2 Millionen Menschen, 35 Prozent weniger als im Jahr 2000. Bei Kindern sank die Zahl der Neuinfektionen sogar um 58 Prozent: von etwa 520.000 im Jahr 2000 auf rund 220.000 im letzten Jahr. An den Folgen von Aids starben 2014 etwa 1,2 Millionen HIV-Infizierte – das sind 42 Prozent weniger als der 2004 erreichte Höchstwert. Zugang zu HIV-Medikamenten hatten im Juni 2015 etwa 15,8 Millionen Infizierte. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor waren es noch 13,6 Millionen, 2010 erst 7,5 Millionen und 2005 nur 2,2 Millionen. Dennoch wartet die Mehrheit der Menschen mit HIV – 21 Millionen – immer noch auf Zugang zur antiretroviralen Therapie. UNAIDS-Chef Michel Sidibé sagte: „Alle fünf Jahre haben wir die Zahl der Menschen, die diese lebensrettende Therapie machen, verdoppelt. Das müssen wir jetzt noch einmal schaffen, um die Aids-Epidemie zu brechen und zu verhindern, dass die Zahlen wieder ansteigen.“

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