Präventionskampagnen sind immer Antiwerbung. Oder? Wie die Austellung „AIDS – Nach einer wahren Begebenheit“ es schafft zwei Welten zusammenzubringen

Als „globales Medienereignis“ wird AIDS in der aktuellen Ausstellung im Deutschen Hygienemuseum Dresden inszeniert. Das klingt reißerisch, ist aber stimmig. Indem das Haus 240 Präventions- und Aufklärungsplakate aus drei Jahrzehnten und über hundert Ländern zeigt, werden unterschiedliche Herangehensweisen präsentiert, wie ein Thema, das von der Öffentlichkeit gern verdrängt wird, durch visuelle Paukenschläge zum Stadtgespräch werden kann. Dieser kampagnenartigen Seite stellt Kurator Vladimir Čajkovac Ausschnitte aus Talkshowdebatten, Filmen und Radiospots gegenüber. Der Effekt ist verblüffend. Ausstellungsbesucher lernen einerseits eine Menge über den Umgang mit dem Virus im Laufe der Jahrzehnte, sie lernen aber ebensoviel über die Mechanismen von Medien, kollektiven Ängsten und gesellschaftlichen Moralvorstellungen. Außerdem wird deutlich, dass viele vermeintlich überwundene Vorurteile gegenüber HIV- und AIDS-Patienten bis heute wirken. Bezeichnenderweise steht der erste von sechs Ausstellungsräumen unter dem Thema „Die Krankheit der Anderen“. Das bezieht sich vor allem auf die Ausgrenzung von AIDS-Patienten Anfang der Achtziger, aber es benennt auch die Kluft, die sich zwischen den Erfahrungswelten von Positiven und Negativen bis heute auftut. Am Ende liegt ein Filmraum, in dem Präventionsfilme laufen. Déjà-vu-Alarm. Aber man kann zwischendurch auch schmunzeln über das Medienereignis.

Text: Christian Lütjens

Info: www.dhmd.de

Foto: Oliver Killig/DHMD

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