Am Welt-AIDS-Tag 2015 veröffentlichen wir unter mplus-magazin.de jede Stunde eine Erinnerung eines Menschen an einen Freund oder Prominenten, der nicht mehr lebt, einen ganzen Tag lang. So erinnert sich Autor und DJ Kriss Rudolph, der Chefredakteur der MÄNNER, an Popstar Ofra Haza:

„Schon komisch. Ofra Haza ist tot.“ Mit diesen Worten begann Norbert Diener bei SWR3 in seiner Sendung Ende Februar 2000 die Meldung über Deinen Tod. Mein Kollege war für einen eher trockenen Humor bekannt, aber er meinte es nicht komisch-hihi, sondern komisch-merkwürdig. Das war Dein früher Tod (mit 42!) aus verschiedenen Gründen: Du hattest 1988 mit „Im Nin’alu“ einen sehr amtlichen Hit auf der ganzen Welt – es war nicht Dein einziger, auch wenn man Deinen Namen oft in One-Hit-Wonder-Listen findet. Auch sonst wusste man nicht viel über Dich. Vielleicht noch, dass Du, aufgewachsen in einem der ärmsten Vororte von Tel Aviv, 1993 bei der Verleihung des Friedensnobelpreises von Rabin, Peres und Arafat gesungen hast. ESC-Statistiker werden wissen, dass Du beim Eurovision Song Contest 1983 in München den 2. Platz belegt hast. Jedenfalls mochte man Dich, wenn auch nur als die Sängerin dieses exotisch-orientalischen Hits, von dem keiner recht wusste, was er eigentlich bedeutete (er beruht auf dem Gedicht eines Rabbis aus dem 17. Jahrhundert, das mit den Worten beginnt: „Selbst wenn die Pforten der Reichen sich schließen werden, die Pforten des Himmels werden immer offen bleiben“). Du warst der Sound des Sommers 1988 – allein in Deutschland warst Du acht Wochen lang Nummer 1. Ich besitze noch die Maxi-Single, auf Vinyl.
Noch etwas war komisch, komischer eigentlich: Organversagen als Folge einer HIV-Infektion lautete die Todesursache. Dabei hörte man doch sonst nur von Männern, die den Virus hatten und an AIDS starben, und wenn, dann waren sie schwul und, so die allgemeine Annahme, hatten ordentlich rumgevögelt. Du hattest erst drei Jahre zuvor geheiratet, vermutlich war Dein Gatte Dein erster und einziger Mann. Da war schnell der Sündenbock ausgemacht. Tatsächlich erzählte Craig Leon, einer Deiner Produzenten, Jahre später, Du hättest eine infizierte Bluttransfusion bekommen, in einem türkischen Krankenhaus, wo Du nach einer Fehlgeburt behandelt wurdest.
Deine Familie versuchte damals, Deine Infektion zu vertuschen, aber ohne Erfolg. Und das ist gut so.
#irememberyoutoday, Ofra Haza, Du große Unbekannte

Bild: Facebook

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