Eine unabhängige Studie belegt, dass das Medikament Truvada als tägliche Pre-expositions-Prophylaxe (PrEP) in der Anwendung so ungefährlich ist wie Aspirin. Frühere Studien zur Anwendung und Wirksamkeit von Truvada als PrEP hatten ergeben, dass die blaue Pille im Schnitt zu 86 Prozent gegen HIV schützt, einige Studien sprachen auch von hundertprozentigem Schutz. Schwule HIV-Aktivisten weltweit fordern die Einführung des Medikaments auf breiter Ebene. In den USA ist die PrEP längst Teil eines Regierungskonzepts zur HIV-Prävention, in Frankreich ist Truvada seit kurzem als PrEP erhältlich, und auch die Deutsche AIDS-Hilfe drängt auf die Markteinführung hierzulande. Laut Auskunft des Truvada-Herstellers GILEAD laufen Vorverhandlungen, um das in Europa vielleicht sogar noch in diesem Jahr zu ermöglichen.

Die PrEP ist im Vergleich sogar sicherer für den Verbraucher als Aspirin

Trotzdem gab und gibt es immer wieder Einwände gegen die PrEP aufgrund von Sicherheitsbedenken bei der Langzeiteinnahme des Medikaments. Forscher an der University of California in Los Angeles haben nun fünf große Truvada-Studien zur PrEP und zwei zur Anwendung von Aspirin verglichen und sind dabei zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen: „Die PrEP ist im Vergleich sogar sicherer für den Verbraucher als Aspirin“, so die Wissenschaftler. „Natürlich braucht es Langzeitstudien, aber der Hersteller und die Patienten sollten selbstbewusst sein, was die Sicherheitsbedenken anbelangt, wenn es um den kurz- und mittelfristigen Gebrauch von Truvada zum Schutz vor HIV geht.“ Der Pharmakonzern GILEAD, der Truvada herstellt, arbeitet auch längst an einem Nachfolgemedikament, mit noch weniger Nebenwirkungen. Auch darauf beziehen sich die Forscher in den Studienergebnissen: „Schon bald werden Medikamente mit neuer pharmakologischer Zusammensetzung gegen HIV zur Verfügung stehen, die ein besseres metabologisches Profil und längere Wirksamkeiten haben und anders verstoffwechselt werden.“

In den USA nehmen schon 21000 Patienten regelmäßig PrEP.

Aus ihren Erkenntnissen ziehen die Wissenschaftler eine eindeutige Schlussfolgerung: „Nach unseren Ergebnissen zur Sicherheit und Wirksamkeit von FTC-TDF (dem Truvada Wirkstoff) als Medikament gegen HIV, empfehlen wir Ärzten, aktiv nach Patienten zu suchen, für die das Medikament von Nutzen sein könnte.“ Truvada wird als PrEP hauptsächlich Männern vershrieben, die Sex mit Männern haben und dabei einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Regelmäßige Tests und empfohlener Kondomgebrauch sind dabei sowohl in den USA wie Frankreich eine Selbstverständlichkeit. „Um ihrer Pflicht, auch zur Vorbeugung von Erkrankungen beizutragen, nachzukommen, sollten Schwerpunktärzte Patienten mit hohem HIV-Infektionsrisiko, PrEP mit großer Selbstverständlichkeit empfehlen“, so die Forscher. In den USA nehmen schon 21000 Patienten regelmäßig PrEP – ein winziger Bruchteil aller schwulen Amerikaner, für die das Medikament aber eine neue Art von Sicherheit und hohen Schutz bedeutet. Für Deutschland gehen Experten von 1000 Patienten aus, bei denen PrEP zur Anwendung kommen könnte, um ihr Infektionsrisiko stark zu senken. Allerdings ist Truvada in Deutschland als PrEP noch nicht zugelassen.

Titelbild: Imago/ZUMA Press