Das beschauliche Freyenstein im noch beschaulicheren Brandenburg ist jetzt nicht unbedingt der Ort, von dem man erwartet, dass sich dort die Zukunft des queeren Musikgeschäfts abspielt. Aber, was wäre das Leben ohne, dass Erwartungen manchmal übertroffen werden. Denn in Freyenstein haben das vielleicht aufregendste Wesen im gesamten R’n’B der Welt, Mykki Blanco, und Starfotograf und Filmemacher Matt Lambert das definitiv aufregendste queere Musikvideo des bisherigen Jahres zu Blancos neuer Single „Highschool Never Ends“ gedreht. Herausgekommen, ist ein sieben Minuten langer Kurzfilm Shakespearscher Anmutung.

Ich dachte, indem ich nach Europa gegangen bin, wäre ich sicher vor den weißen, rassistischen Ideen einiger meiner US-Landsleute. Das hat sich in den letzten Monaten als großer Trugschluss herausgestellt.

In den vom deutschen Kameramann Martin Ruhe fantastisch gebauten Reigen schöner, schrecklicher, immer aber aufregender Bilder, kann man, genau wie in Blancos Text, alles hineininterpretieren, was gerade aktuell ist. Wie immer geht es um Geschlechterrollen, aber auch um Rechtsnationale, Flüchtlinge und das Leben in der deutschen Provinz. Blanco sagt dazu: „Ich dachte, indem ich nach Europa gegangen bin, wäre ich sicher vor den weißen, rassistischen Ideen einiger meiner US-Landsleute. Das hat sich in den letzten Monaten als großer Trugschluss herausgestellt.“ Matt Lambert ergänzt: „In dem Video werden Rasse oder sexuelle Orientierung nicht offen thematisiert. Es geht um Ideen von ‚Wir‘ gegen ‚Die Anderen‘.“ Blanco ist als offen queerer und offen HIV-positiver Künstler eine der großen Ausnahmen im internationalen Rap, wird von amerikanischen Kollegen dafür aber auch mal fix zum „Genie“ erklärt und sehr geschätzt.

mykkiblancoworld.com

Bild: Screenshot/Youtube

Hier das Video: