Am 5. Juni 1981 erfuhren einige Menschen in den USA zum ersten Mal davon, dass einige schwule Männer in amerikanischen Metropolen an etwas erkrankt waren, das ihr Immunsystem zum Zusammenbrechen brachte und sie innerhalb weniger Monate sterben ließ. Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC meldete die ersten AIDS-Fälle. Das damals noch nicht AIDS hieß und von dem Präsident Reagan erst fünf Jahre später, als schon viele Tausend homo- und bisexuelle Männer auf der ganzen Welt tot waren, zum ersten Mal öffentlich sprach. Der aktuelle amerikanische Präsident, Barack Obama, nahm das Jubiläum gestern zum Anlass, eine klare Botschaft zu senden.

Wir haben gelernt, dass Wissen und Akzeptanz Leben retten und verlängern können.

Er sagte: „Die letzten 35 Jahre erzählen eine Geschichte, die als eine über Unsicherheit, Angst und Verlust beginnt, die sich aber zu einer über Widerstandskraft und erfolgreichen Aktivismus entwickelt. Wir haben erfahren, dass Stigmatisierung und Schweigen zu nichts weiter führen, als zu Ignoranz und steigenden Infektionszahlen. Sie sind es, die der Pest neues Leben einhauchen. Wir haben auch gelernt, dass Behandlung, Wissen und Akzeptanz nicht nur Leben retten und verlängern können, sondern genau die Diskriminierung bekämpfen, die den nötigen Fortschritt viel zu lange aufgehalten hat. Und wir haben ein weiteres Mal begreifen dürfen, dass die amerikanischste aller Ideen, die von einfachen Bürgern, die sich zusammenschließen und gemeinsam den Mund aufmachen, die sich verknüpfen, wie die Panel eines Quilts, unsere Communities und unsere Nation zum Positiven verändert.“

Es ist das erste Mal, dass Wissenschaftler einen Weg gefunden haben, Zellen dauerhaft einer Infektion mit dem Virus zu schützen.

Obamas historische Ansprache wurde gleichzeitig mit einer bahnbrechenden wissenschaftlichen Meldung veröffentlicht: Forscher der Lewis Katz School of Medicine an der Temple University in Philadelphia haben eine Genschere entwickelt, mit der es ihnen gelungen ist, HIV aus menschlichen Immunzellen herauszuschneiden. Diese Zellen sind danach gegen eine weitere Infektion mit dem HI-Virus immun. Es ist das erste Mal, dass Wissenschaftler einen Weg gefunden haben, Zellen dauerhaft einer Neuinfektion mit dem Virus zu schützen.

Unsere Erkenntnisse sind auf gleich mehreren Ebenen aufregend.

Der Leiter des Forscher-Teams hinter der Entdeckung, Kamel Khalili, sagte, das Verfahren sei „für die Zellen absolut sicher und mit keinerlei toxischen Nebeneffekten verbunden. … Unsere Erkenntnisse sind auf gleich mehreren Ebenen aufregend. Sie beweisen, dass unsere Genschere wirklich in der Lage ist, HIV aus der DNA von CD-4 Zellen herauszulösen, indem sie Mutationen in das virale Genom einschleust und das Virus so davon abhält, sich weiter zu vermehren.“ Die sogenannte „CRISPR/Cas9“-Methode benutzt bestimmte Proteine wie Scheren, um DNA-Ketten zu zerschneiden und neu, oder durch bestimmte Abschnitte ergänzt, wieder zusammenzusetzen. So kann aktiv in das Erbgut von Viren eingegriffen werden. Erst im Februar hatten deutsche Forscher eine ähnliche Methode vorgestellt, die aber nicht so ausgereift war, wie die der US-Kollegen (Männer-ARCHIV).

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