Männer, die Sex mit Männern hatten (MSM), sollen nicht mehr pauschal von der Blutspende ausgeschlossen werden. So sieht man es beim Blutspendedienst SRK in der Schweiz. Stattdessen sollen risikobasierte Spendekriterien eingeführt werden. In den letzten Jahren haben viele Länder wie USA, Italien, Frankreich, Großbritannien oder Australien ihre Spendekriterien bezüglich MSM gelockert und meist zeitliche Rückweisungen anstelle der lebenslangen Sperre eingeführt. Zu vermehrten Spenden haben diese Regelungen nirgendwo geführt. Blutspende SRK Schweiz hat sich ebenfalls seit Jahren für eine Anpassung dieser Bestimmungen ausgesprochen. Noch in dieser Woche wird Blutspende SRK Schweiz deshalb einen neuen Antrag bei Swissmedic einreichen: In einem ersten Schritt sollen MSM ab Januar 2017 zur Blutspende zugelassen werden – unter der Bedingung einer 12monatigen sexuellen Abstinenz. Als ganz klares, längerfristiges Ziel soll aber analog zur Blutstammzellspende eine differenzierte Begutachtung des Risikoverhaltens für alle Blutspender gelten. Der Sachverhalt MSM als solcher wäre dann kein Ausschlussgrund mehr. Stattdessen würde gegebenenfalls das konkrete Verhalten eines Spenders, ungeachtet seiner sexuellen Orientierung, zu einer (meist temporären) Rückweisung führen. Die Erarbeitung dieser Kriterien ist jedoch komplex und ließe sich – das Einverständnis der Behörden vorausgesetzt – frühestens für 2018 umsetzen.

Wir rechnen nicht damit, dass diese erste Stufe wesentlich mehr Blutspenden generieren wird.

Dazu der Direktor der Blutspende SRK Schweiz Dr. Rudolf Schwabe: „Der Antrag wird diese Woche eingereicht (spätestens Donnerstag). Wir rechnen nicht damit, dass diese erste Stufe (12 Monate Abstinenz erforderlich) wesentlich mehr Blutspenden generieren wird. Die von uns angestrebte zweite Stufe (risikobasierte Kriterien), die wir im Juni für die Stammzellspender eingeführt haben, wird bezüglich Spenderzahlen mit Sicherheit mehr bewirken, da beispielsweise MSM in fester Partnerschaft kein Ausschlussgrund mehr wären. Dies ist aber noch Zukunftsmusik…“. Und er führt weiter aus: „In der Schweiz benötigen wir pro Jahr ca. 320.000 Blutspenden. Der Bedarf kann gut gedeckt werden. Unsere Maßnahmen in Sachen MSM-Zulassung sind explizit NICHT verknüpft mit der Versorgungssituation, sondern ausschließlich darin begründet, dass wir nur Personen von der Spende ausschließen resp. temporär zurückstellen wollen, die ein erhöhtes Risiko für den Patienten bedeuten.“

Die Frage nach MSM wird bei der Registrierung von Blutstammzellspendern gar nicht mehr gestellt.

Die zwei Geschäftsfelder von Blutspende SRK Schweiz – Blutspende und Blutstammzellspende – basieren auf unterschiedlichen gesetzlichen Grundlagen. Bei der Blutstammzellspende konnte Blutspende SRK Schweiz die Kriterien deshalb in eigener Kompetenz anpassen: Ab dem 22. Juni 2016 gelten hier neue, risikobasierte Spendekriterien. Unabhängig davon, ob jemand hetero- oder homosexuell ist, wird ein Spender aufgrund seines persönlichen (Sexual-)Verhaltens einer von vier Risikogruppen zugeordnet. Die Frage nach MSM wird bei der Registrierung von Blutstammzellspendern gar nicht mehr gestellt. Im Bereich Blutspende liegt der Entscheid jedoch letztinstanzlich bei der Aufsichtsbehörde Swissmedic. Sie hatte 2013 bekräftigt, dass Männer, die seit 1977 Sex mit Männern hatten, ungeachtet ihrer effektiven, heutigen Lebenssituation ausgeschlossen bleiben. Die Blutspende SRK Schweiz AG ist eine eigenständige Institution des Schweizerischen Roten Kreuzes. Sie führt im Auftrag der Eidgenossenschaft das Register von Blutstammzellspendern und sichert in Zusammenarbeit mit den regionalen Blutspendediensten die Versorgung der Krankenhäuser mit Blutprodukten.

Text: Thomas Petersen, Titelbild: Shutterstock.com/Olena Yakobchuk