UPDATE (16.9.2016) In Bayern gibt es einen Mangel an Blutkonserven wie schon seit Jahren nicht mehr. Seit Beginn der Woche ist das Lager beim Blutspendedienst (BSD) des Bayerischen Roten Kreuzes leer. Für gewöhnlich reicht der Bestand vier bis fünf Tage, aber aktuell kann der BSD kein Blut mehr an die Krankenhäuser liefern.

Blutspendeverbot

Diese Nachricht erscheint, sobald man die Seite des BSD aufruft (Screenshot)

Es ist im Sommer üblich, dass die Spendebereitschaft zurückgeht. Aber dieses Jahr, sagen BSD-Sprecher, kam die Fußball-EM erschwerend hinzu. Eine Lockerung des Blutspendeverbots für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) würde vielleicht helfen.

von Pascal Beck

Den geltenden Richtlinien zufolge sind Personen, deren Sexualverhalten ein erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut verbreitete schwere Infektionskrankeheiten wie HIV birgt, von der Blutspende ausgeschlossen. Dazu zählen neben Homosexuellen auch Heterosexuelle mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern oder Prostituierte.

Nach dem Anschlag in Orlando wollten viele Schwule Blutspenden, durften es jedoch aufgrund ihrer Sexualität nicht. Gerade das pauschale Verbot gegen schwule Männer steht immer wieder in Kritik. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe reagiert nun auf die Kritik und zeigt sich dazu bereit, das Blutspendeverbot für Homosexuelle zu lockern.

Es müsse überprüft werden, ob „neuere Testverfahren für Blutproben und eine bessere Einschätzung des Ansteckungsgeschehens einen befristeten Spenderausschluss – wie auch in den USA angekündigt – als Schutzmaßnahme ausreichend erscheinen lassen“, äußerte der CDU-Politiker gegenüber der Morgenpost.

„Die Bundesoberbehörde aller Blutspendedienste, das Paul-Ehrlich-Institut, führt eine jährliche Statistik über das Aufkommen, den Verbrauch und den Verwurf von Blutprodukten. Im Jahr 2014 wurden rund 4,3 Millionen Vollblutspenden abgenommen.“, erklärt Jan Noack, Zentralbereichsleiter der Unternehmenskommunikation des Blutspendedienstes Haema MÄNNER. „Das ist ein Rückgang von rund 300.000 Stück im Vergleich zum Vorjahr. Im Jahr 2011 waren es noch knapp 5 Millionen. Insgesamt sind die Zahlen rückläufig aber auch der Verbrauch in den Krankenhäusern ist rückläufig. Hier kommt das Patient-Blood-Management zum Zuge, welches einen sparsameren Umgang mit Blutkomponenten anrät.“

In der Zukunft werden die Menschen älter, somit wird der Verbrauch steigen

Gerade mal drei Prozent der deutschen Bevölkerung gehen zur Blutspende. Insgesamt 33 Prozent der Bevölkerung erfüllen die Richtlinien, um Blut spenden zu dürfen. Was erst mal wenig klingt, deckt allerdings momentan die Patientenversorgung, erklärt Susanne von Rabenau, Pressesprecherin des Deutschen Roten Kreuz Hamburg/Schleswig-Holstein MÄNNER. Noch mögen die Blutspenden genügen; perspektivisch betrachtet müsse man sich jedoch bereits Alternativen für die Zukunft überlegen, fügt sie hinzu. Die meisten Spender seien ältere Menschen, die schon seit Jahren zur Blutspende gehen. Junge Spender zu motivieren dagegen sei schwierig. Ein Rückgang der Spenderzahlen sei bereits erkennbar. Mit dem demographischen Wandel wird die Anzahl an Spendern zum einen weiter sinken, zum anderen steigt das Risiko, dass mit der Zeit auch mehr Blut benötigt wird. Auch Noack stimmt dem zu: „In der Zukunft werden die Menschen älter und somit wird auch der Verbrauch steigen.“

Während der EM sitzen die Leute lieber vor dem Fernseher, als zum Blutspenden zu gehen

Aktuell liegt die Altershöchstgrenze bei 73 Jahren. Allerdings wurde auch diese in der Vergangenheit kontinuierlich höher gesetzt. Es gibt bereits verschiedene Möglichkeiten Blut sparsamer einzusetzen. Außerdem haben viele Blutprodukte eine kurze Haltbarkeit, weswegen kontinuierlicher Nachschub besonders notwendig ist.

Wir sind gut versorgt (O-Ton Franz Weinauer vom BSD im Juli 2016)

Franz Weinauer vom Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes will sich dagegen nicht zur Zukunft äußern. „Gewiss gibt es saisonale Probleme wie aktuell während der EM, dass die Leute lieber vor dem Fernseher sitzen als zum Blutspenden zu gehen“, man sei aber bislang gut versorgt, wie auch die anderen Blutspendedienste berichteten. Der Bedarf ginge momentan sogar um zwei Prozent pro Jahr zurück. „Die Qualität darf nicht zur Lasten der Quantität leiden“, antwortet er MÄNNER auf die Frage, ob man es sich leisten könne gewisse Personengruppen pauschal auszuschließen. Immerhin sei der Schutz des Empfängers oberstes Gebot.

Die entsprechende Richtlinie zum Blutspendeverbot Homosexueller wird gerade von der Bundesärztekammer, Fachverbänden und Wissenschaftlern überarbeitet. Wer weiß, ob man eines Tages vielleicht doch von Pauschalverdächtigungen ablässt, sobald die Not größer wird.

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