Einige positive HIV-Aktivisten, die in ihren Social Media-Profilen ohnehin offen mit ihrer Infektion umgehen, wird es vielleicht sogar freuen, bei allen anderen werden die Alarmglocken laut anfangen zu läuten: Es sieht so aus, als würde die Dating-App Grindr ein Feature einführen wollen, mit dem man die Date-Möglichkeiten die einem im umkreis nicht nur nach Größen, Haarfarben, Alter oder Vorliebe sortieren können, sondern zukünftig auch nach Serostatus. Ein Mitarbeiter der University of Montreal postete den unten stehenden Screenshot in einem Online-Forum und auch der HIV-positive Blogger Josh Robbins, den wir in der neuen Mplus-Ausgabe vorstellen, schrieb, er habe die Umfrage angezeigt bekommen, als er am Wochenende Grindr öffnete.

In der Umfrage werden User gebeten, ihren Infektions-Status anzugeben, gefragt, ob sie den in ihrem Profil gern angeben würden und wie sie es finden würden, wenn man den Grindr-Filter zukünftig auch auf HIV anwenden könnte. Außerdem wird gefragt, welche Methode User, die „positiv aber unter der Nachweisgrenze“ angeben würden, benutzt haben, um sich dafür zu entscheiden. Klingt erstmal nicht schlimm, aber hinter diesen Fragen verbergen sich viele andere, die viel schwieriger sind: Wie will man bei Grindr eigentlich verhindern, dass Positive zukünftig einfach „aussortiert“ werden? Oder, dass Positive aufgrund der drohenden Stigmatisierung lügen?

Wie will man bei Grindr eigentlich verhindern, dass Positive zukünftig einfach „aussortiert“ werden?

Der Blogger Daniel Reeders schrieb dazu  in einem „Bad Blood“-Post: „Würde der HIV-Filter quasi dafür sorgen, dass HIV-Positive für andere User ‚unsichtbar‘ werden, die finden, positiv zu sein gehört nicht zu ihren ‚Vorlieben‘? Würden Positive dann automatisch geblockt? Wenn das genügend Negative tun, entspricht das einer digitalen Quarantäne, die dazu führt, dass HIV-Positive quasi unsichtbar werden und damit zu Außenseitern. Wir leben im Zeitalter hoch wirksamer Medikamente. Wir sollten nicht zu Kategorien und in Zeiten zurückkehren, die sich für die Prävention schon als wirkungslos herausgestellt haben.“ Vom Stigma, das man so mit einem einzelnen Häkchen produzieren kann, mal ganz abgesehen.

Foto: Shutterstock.com/Vdovichenko Denis