Prinz Harry entwickelt sich in den letzten Wochen zum weltweit lauten Fürsprecher für den Kampf gegen HIV und AIDS. Da kommt er ganz nach seiner Mutter Prinzessin Diana of Wales. War der Prinz in schwulen Kreisen bislang eher aufgrund seiner körperlichen Merkmale beliebt, machte er Mitte Juli mit einer Aktion von sich reden, die ihm so wohl nur wenige zugetraut hätten: Auf der Facebook-Seite der königlichen Familie streamte Prinz Harry sich selbst dabei, wie er in einem Londoner Krankenhaus einen HIV-Schnelltest durchführte. Im Video ist zu sehen, wie sich der Prinz mit einem Doktor über den Test unterhält und dabei auch über seine eigene Nervosität spricht. Der Arzt beruhigt ihn und betont, wie wichtig es sei, seinen eigenen HIV-Status zu kennen. Dann wird Harry vor laufender Kamera königliches Blut abgenommen

„Es ist beeindruckend, wie schnell das geht”, bemerkt der 31-Jährige, kurz bevor er sein Testergebnis verkündet bekommt. Der Test ist negativ. Danach unterhalten sich Harry und der Doktor recht ausführlich darüber, dass HIV das Leben bei richtiger medikamentöser Behandlung heutzutage nur noch an bestimmten Stellen eingeschränkt. Der Prinz lässt sich erklären, dass man auch mit HIV ein „gutes, erfülltes Sexleben” und auch im Allgemeinen ein „langes und gesundes Leben” vor sich haben könne. Danach betont Harry selbst, dass ein HIV-Test wichtig für alle Menschen sei – egal ob sie „männlich, weiblich, schwul, hetero, schwarz, weiß oder rothaarig” sind. Nur, wenn sich alle Menschen testen ließen, werde der HIV-Test zur Normalität.

Fünfmal so viele Tests wie vor Harrys öffentlichem Test

Und die 2,3 Miliionen Menschen, die sich das Video bislang angesehen haben, haben dem prinzen wohl genau zugehört. Denn das Ergbnis hätte nicht eindeutiger ausfallen können: Der Terrence Higgins Trust (THR), der wichtigste Anbieter von HIV-Tests in Großbritannien hat bekanntgegeben, dass sich seit Harrys öffentlichem Test die Anzahl der Menschen, die einen Selbsttest bestellt haben, verfünffacht hat. Der Selbsttest-Initiative der Organisation wendet sich vor allem an Männer die Sex mit Männern haben und Migranten aus Schwarzafrika, die im Vereinigten Königreich leben. Insgesamt wurden in den Tagen nach dem royalen Test fast 5000 kostenlose Tests abgesetzt, mit denen man seinen HI-Status in nur 15 Minuten selbst ermitteln kann.

Es ist fantastisch zu sehen, welche durchschlagende Wirkung es hat, dass sich Prinz Harry für HIV-Tests stark macht.

Dr. Michael Brady, der Medical Director des Terrence Higgins Trust, sagte gegenüber Medien dazu: „Wir wissen, dass einer von sechs Menschen, die mit HIV leben, gar nicht wissen, dass er positiv ist. Sich testen zu lassen, heißt, die Kontrolle über die eigene Gesundheitsvorsorge zu übernehmen. Wer weiß, dass er positiv ist, kann sich umgehend in Behandlung begeben, verhindert so, dass er ernsthaft erkrankt, hat eine normale Lebenserwartung. Und kann das Virus auch nicht mehr an andere Menschen weitergeben. Deswegen ist es so wichtig, dass wir uns darum bemühen, immer neue Wege zu finden, Menschen in Risikogruppen den Zugang zu HIV-Tests zu erleichtern. Es ist fantastisch zu sehen, welche durchschlagende Wirkung es hat, dass sich Prinz Harry für HIV-Tests stark macht.“ Und offensichtlich werden genau die Menschen erreicht, die sonst schwer zu erreichen sind. Von denen, die den Test bestellt haben, hatten 20 Prozent noch nie vorher einen gemacht und 38 Prozent seit einem Jahr nicht mehr.

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