Es ist erst ein paar Monate her, dass die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ihren Slogan für die HIV-Prävention von „Gib AIDS keine Chance“ in „LIEBESLEBEN“ umbenannte. Weil AIDS in Zeiten von antiretroviralen HIV-Therapien hierzulande nur noch selten vorkommt. Und weil nach 25 Jahren ein neues, lebensbejahenderes Motto Not tat. Ein Startschuss für die Zukunft also. Aber kann man einen Slogan, der ein Vierteljahrhundert Gültigkeit hatte, einfach durch einen neuen ersetzen? Die Macher der Konferenz „HIV im Fokus“, die am Wochenende in Berlin stattfindet, hatten eine andere Idee. Sie formulieren das bewährte Motto einfach um: „Gib PrEP eine Chance“ prangt auf den Plakaten und Flyern der Veranstaltung, bei der unter anderem Themen wie „Aktuelle PrEP-Realität – weltweit und in Deutschland“ und „Wie kann man PrEP in die Prävention einbauen?“ diskutiert werden.

 

Was nach Fachtagung klingt, betrifft in Wahrheit zwei Bereiche, die uns alle angehen: Verfügbarkeit und Effekt. Wer blickt schon durch in dem Informationsgestrüpp, das sich um das HIV-Medikament Truvada rankt, seit es 2012 in den USA als Vorbeuge-Pille für HIV-Negative zugelassen wurde? Und wer weiß genau, was die Europa-Zulassung Ende August für ihn selbst bedeutet? Wenn man sich in der Szene umhört, wird schnell klar: Die Wenigsten wissen es. Da fragen sich die einen, ob ihr Sexverhalten unsafe genug ist, um es durch tägliches Tablettenschlucken safer machen zu müssen, während andere eine Scheinrealiltät leben, in der sowieso alle PrEP nehmen, weil sie sich Truvada illegal im Internet besorgen. Wieder andere verwechseln das Präventionsprinzip, dass therapierte HIV-Positive mit einer Viruslast unter der Nachweisgrenze nicht infektiös sind, mit dem PrEP-Effekt.

Schlauer wird man bei „HIV im Fokus“. Und es muss sich keiner schämen, wenn er noch nicht den richtigen Durchblick hat. Auch viele Mediziner und Krankenkassen wissen noch gar nicht, was durch PrEP Neues auf sie zukommt. Deshalb gibt es auf der Berliner Konferenz den Tagesordnungspunkt „Ärzt*Innen stellen Fragen zur PrEP“. Aber die Veranstalter wollen nicht nur informieren, sondern auch eine breite Masse über die in mehreren Studien nachgewiesene Wirksamkeit von Truvada als HIV-Prophylaxe aufklären. Oder wie HiF-Pressesprecher Bastian Krondorfer es formuliert: „Viele Ärzte müssen ja erst mal überzeugt werden, dass PrEP kein Wellness-Medikament ist, sondern eine Präventionsmaßnahme.“ Damit Viele zum Fragenstellen und Mitdiskutieren kommen, ist der Eintritt frei und jeder ist willkommen.

Mehr Infos gibt’s auf der HIV im Fokus-Website

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