Fangen wir mit einer harten Zahl an: Eine Studie der Columbia University hat herausgefunden, dass 42 Prozent aller Männer, die essgestört sind, also fressen, kotzen oder hungern, um schlank zu sein oder zu werden, schwul oder bisexuell sind. Das heißt, Schwule und Bis haben eine sieben Mal höhere Wahrscheinlichkeit, irgendwann in ihrem Leben an einer Esstörung zu erkranken als heterosexuelle Männer. Und obwohl der Bevölkerungsanteil schwuler Männer bei ungefähr zwei Prozent liegt und der heterosexueller Männer bei ungefähr 48 Prozent, sind doch etwas weniger als die Hälfte aller essgestörten Männer schwul oder bi. Nur mal zum Vergleich: Zwischen Lesben und heterosexuellen Frauen gibt es so gut wie keinen Unterschied, was die Wahrscheinlichkeit anbelangt, an Bullemie oder Anorexie zu erkranken.

Was uns LGBTI anfällig für Esstörungen macht, ist, dass viele von uns so gern gemocht und akzeptiert werden wollen

Dr. Tyler Wooten, Medical Director des Eating Recovery Center in Dallas im US-Bundesstaat Texas, erklärt das gegenüber hivplusmag so:“Oft hat lädt man mit einer genetischen Veranlagung für die Erkrankung, die Waffe. Aber es sind Umwelteinflüsse, die auf den Abzug drücken und das ganze auslösen. Scheinbar werden Menschen so geboren, dass sie sich leichter von gesellschaftlichem Druck beeinflussen lassen. Diese Menschen sind oft sehr sensibel, perfektionistisch, wollen andere glücklich machen und sind dabei gern erfolgreich. … Was uns LGBTI anfällig für Esstörungen macht, ist, dass viele von uns so gern gemocht und akzeptiert werden wollen.“

Die Esstörung unterzieht ihr Opfer einer Gehirnwäsche

„Die Esstörung unterzieht ihr Opfer einer Gehirnwäsche“, so Wooten. „Viele meiner Patienten sagen nicht ‚Ich habe eine Essstörung, sondern, ‚Ich bin eine Essstörung‘, es ist längst Teil ihrer Persönlichkeit. Die scheinbare Kontrolle, die die Essstörung vermittelt, fühlt sich für sie gut an, bis sie die Kontrolle verlieren. Das macht es so schwer, sie davon loszubekommen. Es ist so, als würde man sie bitten, ihren rechten Arm abzutrennen. Sie können sich das Leben ohne einfach nicht mehr vorstellen.“ Wooten sagt auch, dass äußere, aber auch verinnerlichte Homonegativität dabei eine zentrale Rolle spielt. „Die Welt kommuniziert uns sehr oft, dass Homosexualität auch eine Erkrankung und Sünde ist, die es auszumärzen gilt.“ Das würde dazu führen, dass Männer sich einem unerreichbarem maskulinen Schönheitsideal unterwerfen, und ihm nacheifern, um ja nicht feminin, ergo schwul, zu erscheinen. Teil davon sind auch Essstörungen. wer lernt, sich selbst zu akzeptieren, ist im Kampf gegen die Krankheit einen großen Schritt weiter.

Auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt es Hilfe

Hier die Sudie der Columbia University

Foto: Shutterstock/Undrey