Ein Sprecher des russischen Gesundheitsministeriums hat gegenüber der Nachrichtenagentur TASS zugegeben, dass die russische Regierung Daten von HIV-Positiven sammelt. In einer zentralen Datenbank seien schon jetzt persönliche und medizinische Informationen über 824000 der rund 850000 bekannten russischen HIV-Positiven erfasst. Begründung: So könnten Medikamente schneller und besser an die Betroffenen abgegeben werden und Ressourcen würden besser genutzt. In Moment ist die Erfassung noch freiwillig, aber HIV-Aktivisten in Russland fürchten, dass die Daten auch leicht dazu verwendet werden könnten, Positive zu diskriminieren. Viele Aktivisten weltweit lehnen genau aus diesem Grund das zentrale Sammeln von Daten über sie ab.

Aktivisten fordern, mehr in Prävention zu investieren

Dazu kommt im Fall von Russland, dass viele Positive, die noch nicht getestet sind und nichts von ihrer Infektion wissen, nicht Teil der Datenerfassung sein können. Laut verschiedenen Medienberichten wird zum gegenwärtigen Zeitpunkt weniger als die Hälfte aller russischen Positiven mit Medikamenten versorgt. Das Hauptargument der russischen Aktivisten ist einfach: Die meisten Mittel gegen HIV werden in Russland für die medikamentöse Versorgung der Patienten ausgegeben. Aktivisten fordern jedoch, mehr in Prävention zu investieren und es so gar nicht erst zu Übertragungen kommen zu lassen. Dazu bedürfe es größerer Anstrengungen was den Sexualkundeunterricht in Schulen anbelangt und die Risikogruppen müssten besser mit Kondomen versorgt werden.

Gesundheitsexperten der russischen Regierung behaupten, Kondomgebrauch unterstütze die Ausbreitung von HIV

Das auch durchzusetzen dürfte schwierig sein, denn erst letztes Jahr hatten Gesundheitsexperten der russischen Regierung in einer Studie behauptet, Kondomgebrauch unterstütze promiskes Verhalten und sei deswegen für die Ausbreitung von HIV mitverantwortlich. Die Studie des Russian Institute of Strategic Research war dem Moskauer Stadtrat vorgelegt worden. Präventionsmodelle die auf Safer Sex und Informationen darüber setzten, wie sie in Westeuropa seit Jahrzehnten sehr erfolgreich angewendet werden, kümmerten sich zuviel um Drogengebraucher und LGBTI. Die Forscher behaupteten, dieser Präventionsansatz könne in Russland gar nicht erfolgreich sein, weil die „kulturellen und psychologischen Charakteristika der russischen Bevölkerung völlig andere sind“, als die in Westeuropa. Dabei ist die Forschung in westlichen Ländern längst weiter. (MÄNNER-Archiv)

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