Douglas Brooks ist ein mächtiger Mann, wenn es um HIV geht. Nach zwei Jahrzehnten als Aktivist und wichtige Stimme der HIV-Community in den USA berief ihn Barack Obama zum Director of National AIDS Policy im Weißen Haus. Seit 2016 ist er  Senior Director for Community Engagement. Auf diesem Posten versucht Brooks, sehr erfolgreich, seine Community-Arbeit und die Pharmaindustrie unter einen Hut zu bekommen. M+ durfte ihn als erstes deutschsprachiges Magazin interviewen. Was schon deshalb eine Freude war, weil bei Brooks Herzenswärme, Humor und schier unbegrenztes Fachwissen,  auf seine eigene Geschichte als HIV-positiver, schwuler Mann treffen.

 

Mr. Brooks, Sie waren viele Jahre ein prominenter HIV-Aktivist. Als Sie beim Pharmaunternehmen Gilead Sciences als Director of Community Engagement in USA angefangen haben, welche Reaktionen gab es da aus den US-, aber auch den internationalen HIV-Communities? Und woran arbeiten Sie gerade?

Ich möchte mit meiner Arbeit bei Gilead nationale und internationale Communities miteinander vernetzen und so ihre Arbeit unterstützen. Außerdem wollen wir die Verbindungen zwischen uns als Unternehmen und wichtigen Aktivisten ausbauen, die in ihren jeweiligen Communities gute Arbeit leisten. Innerhalb dieses Themenspektrums ist meine Arbeit sehr vielfältig: Demografische und soziale Ungleichheiten in den USA, aber auch weltweit, gehören dazu. Bei Gilead legen wir unseren Fokus auf Prävention, Stigma sowie die vielerorts mangelnden Kenntnisse über HIV. So wollen wir helfen, die Arbeit von Organisationen zu fördern, die schon wichtige Beiträge leisten. Das gilt für die “Getting to Zero”-Initiative in San Francisco genauso, wie für die Arbeit unserer Kollegen in Taiwan zu PrEP , oder dafür, die Lage in Ost-Europa verbessern zu helfen.

Wie können Sie unter den derzeitigen politischen Bedingungen denn in Ost-Europa sinnvoll helfen?

Eine der tollen Sachen daran, für ein Unternehmen wie Gilead zu arbeiten, istdie Möglichkeit habe, sowohl mit Regierungen und Nichtregierungsorganisationen zu arbeiten. So können wir Mittel dahin bekommen, wo sie wirklich gebraucht werden. Idealerweise arbeiten dabei alle zusammen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

Die UN hat sich ja für 2030 auch ein Ziel gesetzt. Halten Sie es für realistisch, dass in nur zwölf Jahren niemand auf der Welt mehr an AIDS stirbt? Wo sehen Sie die Stolperfallen und wo die Chancen auf dem Weg dorthin?

 Ich glaube wirklich, dass wir schnell an einen Punkt kommen können, an dem es sehr selten ist, dass jemand an den Folgen von AIDS oder anderen Infektionen stirbt. Aber nur wenn wir uns auf Innovation fokussieren, und darauf, Dinge in Breite anzuwenden, von denen wir schon wissen, dass sie wirksam sind. Natürlich kann ich mir über die komplette Beseitigung von AIDS als Todesursache in diesem Zeitraum nicht sicher sein. Aber ich bin sofort dabei danach zu streben und meine ganze Kraft in die Arbeit zu stecken, die nötig ist, um dieses Ziel zu erreichen. Dafür müssen wir einerseits unsere Anstrengungen auf Communities konzentrieren, die überdurchschnittlich oft von HIV betroffen sind, mehr generelle Aufmerksamkeit für HIV schaffen, die Möglichkeiten sich testen zu lassen ausbauen und andererseits mehr Menschen mit den Medikamenten und der Betreuung versorgen, die sie benötigen. Gleichzeitig müssen wir für bessere Prävention sorgen und damit mehr Frauen und afrikanische Communities erreichen. In dieser Region leisten viele Menschen und Organisationen herausragende Arbeit. Schon jetzt lässt sich dabei beobachten: Wenn man sich für etwas wirklich einsetzt, die Mittel dafür zur Verfügung stellt, und die Daten und Erfahrungen benutzt, die wir längst haben, sind die Ergebnisse beeindruckend.

Ein Aspekt, für den sich viele Menschen einsetzen, ist ein leichterer Zugang zu Medikamenten. Wo sehen Sie in diesem Bereich die großen Chancen der nächsten Jahre? Welche Communities haben Hilfe da am nötigsten, um die Situation global zu verbessern? Und was kann ein Unternehmen wie Gilead Sciences tun, um da unterstützend zu wirken?

Ich kann es nur immer wieder sagen: Es besteht die schlichte moralische Verpflichtung, aus sozialen, aber auch aus Gründen der Gesundheitsfürsorge, sich intensiv darum zu bemühen, die Ungleichheiten in der Versorgung von schwulen und bisexuellen Männer auszugleichen und sich besser um die Communities of color, besonders Schwarze und Latinx, zu kümmern. Das Gleiche gilt für Transgender sowie Frauen und Mädchen in Afrika. Wenn wir die Versorgungslücken in diesen wichtigen Communities schließen, werden wir riesige Fortschritte machen.
Gilead arbeitet schon jetzt eng mit den jeweiligen Gesundheitsministerien zusammen, um den Zugang zu unseren Therapien zu verbessern, und wir können großartige Resultate dieser Zusammenarbeit beobachten. Man muss da international alle in die Verantwortung nehmen, die an Fortschritt in diesem Bereich interessiert sind.

Stigma selbst ist natürlich vielfältig und verbunden mit vielen anderen Problemen: Rassismus, Sexismus, Homophobie, Fremdenfeindlichkeit.

HIV-Stigma ist ein vielfältiges Problem und überschneidet sich oft mit anderen Stigmen. Man kann von HIV-Stigma betroffen sein, aber zur selben Zeit zusätzlich stigmatisiert werden, weil man queer, transgender, eine Person of color oder sozial benachteiligt ist. Viele Menschen erleben mehr als eine Form von Stigma. Und wie kann Gilead Sciences, und wie können auch Sie ganz persönlich, als jemand der selbst of color, offen schwul und offen HIV-positiv ist, da helfen?

Es ist interessant, dass Sie erwähnt haben, dass sich diese Communities auch untereinander stigmatisieren. Im letzten Frühling war ich in Georgetown bei einem Symposium, das Jeffrey Crowley, einer meiner Vorgänger im Weißen Haus, dort organisiert hatte. Dabei sprachen wir auch über ein Buch von Rafael M. Diaz, dass sich genau mit diesem Thema beschäftigt. Er schreibt darüber, wie schrecklich es ist, wenn sich schwule Männer unterschiedlicher Hautfarbe, mit den Augen ihrer Unterdrücker betrachten, und wie diese rassistischen Positionen dann dazu führen, dass es in der Folge mehr HIV-Stigma, oder mehr Stigma in Bezug auf bestimmte sexuelle Praktiken gibt. Stigma selbst ist natürlich vielfältig und verbunden mit vielen anderen Problemen: Rassismus, Sexismus, Homophobie, Fremdenfeindlichkeit.

Wie kann Gilead und wie kann ich da helfen? Nun, wir haben vor kurzem die Gilead COMPASS‐Initiative™ im südlichen Teil der USA ins Leben gerufen. Dabei werden wir in zehn Jahren 100 Millionen Dollar an Community-Organisationen und akademische Institutionen weitergeben. So können diese ihre Communities im Bereich HIV weiterbilden und da unterstützen, wo sie es für wichtig halten. Wir glauben, dass genau das eines der wirksamsten Mittel ist, um HIV etwas entgegenzusetzen. Dabei ist uns bewusst, dass unsere Verantwortung als Firma weit über den Zugang zu Therapien und Gesundheitsversorgung hinausgeht. Wir müssen einen ganzheitlichen Ansatz haben, der soziale Faktoren und Umwelteinflüsse berücksichtigt, einschließlich der kulturellen und sexuellen Stigmen innerhalb bestimmter Communities, wenn diese zur Ausbreitung von HIV beitragen. Es ist sehr wichtig, sexuelle und ökonomische Barrieren zu beseitigen, die Zugang zu Therapien derzeit noch erschweren. Wir hoffen, dass die Gilead COMPASS‐Initiative™ dazu einen bedeutenden Beitrag leisten kann.

COMPASS arbeitet dabei mit lokalen Organisationen zusammen. Gilead Sciences Management hat gesagt, die Menschen in diesen Organisationen wüssten längst, was in ihren jeweiligen Communities zu tun ist. Und dass Gilead nur noch die positiven Entwicklungen, die längst angestoßen sind, maximal verstärken müsse. Das passiere, indem das Unternehmen die finanziellen Mittel zur Verfügung stellt, die hierfür gebraucht werden. Stimmen Sie dem zu?

Ja. Diese Initiative ist nichts, was wir uns einfach mal so überlegt haben. Eine Mitarbeiter-Gruppe, der ich auch angehörte, ist eine Woche lang quer durch die Südstaaten der USA gereist. Wir haben uns angehört, wie Leute uns davon berichteten, womit sie lokal erfolgreich sind, welche Steine ihnen dabei in den Weg gelegt werden und wofür sie zusätzliche Mittel bräuchten. Wir kamen von unserer Reise mit vielen Eindrücken davon zurück, wie viel wunderbare, hoch effektive Arbeit vor Ort schon geleistet wird. Die Gilead COMPASS‐Initiative™ ist das direkte Ergebnis unseres eigenen Bedürfnisses, diesen Menschen zu helfen. Wir können und werden diese Arbeit unterstützen. Dabei kooperieren wir mit akademischen Koordinierungsstellen, damit die Arbeit evaluiert und in anderen Orten mit ähnlichen Problemen einfach nachgebaut werden kann. Wir wollen in Organisationen investieren, die schon wissen, was die Communities brauchen, in und mit denen sie arbeiten.

Ich arbeite seit einem Vierteljahrhundert im Bereich Gesundheitsvorsorge und weiß, dass es eben nicht reicht, Organisationen für ein oder drei Jahre finanziell zu fördern.

Warum war es wichtig für Sie, sich dabei für zehn Jahre an die jeweiligen Organisationen zu binden? Das ist eine lange Zeit.

Und genau die braucht es auch. Ich arbeite seit einem Vierteljahrhundert im Bereich Gesundheitsvorsorge und weiß, dass es eben nicht reicht, Organisationen für ein oder drei Jahre finanziell zu fördern. Man braucht allein ein Jahr, um Geld sinnvoll und planvoll einzusetzen. Uns war es sehr wichtig, dass die Arbeit getan, gleichzeitig evaluiert und die Ergebnisse dieser Evaluation dann implementiert werden können, um so Langzeiteffekte einzubeziehen. Das soll auch verhindern, dass wir genau das gleiche in zehn Jahren noch einmal machen müssen.

Warum ist es eine gute Idee des deutschen Gesundheitsministers gewesen, die Krankenkassen dazu zu bringen, PrEP für jeden, der es möchte, zu finanzieren?

Es gibt ein amerikanisches Sprichwort: Ein Gramm Vorsorge, ersetzt ein Pfund Heilung. Aus rein finanzieller Sicht ist es einfach deutlich billiger in PrEP zu investieren. Zusammen mit Kondomen und guter, ärztlicher Beratung kann PrEP Infektionen verhindern. Jemanden, der sich infiziert, danach ein Leben lang mit Therapien versorgen zu müssen, ist teurer.

Glauben Sie, dass die Diskussion um PrEP für einige auch deswegen so schwierig ist, weil es dabei auch um die Akzeptanz queerer Communities und ihres sexuellen Verhaltens geht?

Das ist etwas, das unsere gesamte Arbeit im Bereich HIV erschwert, oder? Leute wissen, dass wir uns auch mit Sex und Drogengebrauch beschäftigen. Und das kann schwierig sein, weil wir dabei eben auch daran arbeiten, uralte, moralische Bewertungen dieser Dinge zu beseitigen. Ohne das zu tun, könnten wir nicht effektiv arbeiten. Deswegen ist es nützlich, das Ganze als Problem der Gesundheitsvorsorge zu thematisieren. Weil es dann dabei eben nicht mehr darum geht, wer, wann, wie oft, was mit wem macht und warum. Sondern darum, dass Regierungen dafür verantwortlich sind, dafür zu sorgen, dass ihre Bürger gesund bleiben, egal wer sie sind.

Einer der Schwerpunkte von Gilead Sciences Forschungsarbeit ist die Suche nach einem Heilmittel für HIV. Wo stehen wir in diesem Bereich und wo sehen Sie die größten Chancen in den nächsten Jahren?

Auf der Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections im März hat Gilead eine Studie vorgestellt, bei der wir zwei experimentelle Medikamente in 44 Rhesus Affen kombiniert hatten. Die Ergebnisse waren sehr vielversprechend. Wir glauben, dass wir, um HIV heilen zu können, verschiedene Ansätze miteinander kombinieren müssen. Viele Forscher auf der Welt widmen ihr Leben der Suche nach einer Heilung von HIV. Ich bin guter Hoffnung, dass wir mittelfristig erleben werden, dass Menschen unter der Nachweisgrenze bleiben, ohne dafür Medikamente nehmen zu müssen. Und als jemand, der selbst mit HIV lebt, finde ich diese Aussicht sehr aufregend, um es mal höflich auszudrücken.

Wäre ein Heilmittel für HIV auch ein persönlicher Sieg für Sie?

Was für eine Frage! (lange Pause) Nicht nur für mich, denke ich. Ich stelle mir gerade vor, wie vielleicht Millionen von Menschen in den Straßen der gesamten Welt tanzen würden. Einer der Gründe, warum ich gerne bei Gilead arbeiten wollte, war, dass wir unter Präsident Obama die Nationale HIV- and AIDS-Strategie der USA so ausweiten konnten, dass PrEP darin eingeschlossen wurde. Und für mich ganz persönlich ist es unglaublich wichtig, dass jeder Mensch, der PrEP wollen könnte, weiß, dass es PrEP gibt, wie es wirkt, und dass er es bekommen kann, wenn er will. Es ist allein seine Entscheidung, ob er es nimmt oder nicht. Und die Heilung ist mir genauso wichtig. Natürlich wird es an dem Weg dorthin Probleme und Fragen geben, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Aber meine Vision und Hoffnung ist, dass man HIV eines Tages heilen kann und Menschen dann lange, völlig gesunde Leben führen können.

Wir müssen uns wirklich ernsthaft mit HIV und Älterwerden beschäftigen. Menschen mit HIV leben lange und dabei treten auch für sie Probleme auf, die alle Menschen haben, die lange leben. Ich selbst bin ein Mann, der mit HIV älter wird.

Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass sie das noch erleben?

(erneute lange Pause) Wissen Sie, ich kann mir das schon sehr gut vorstellen.

Bis dahin müssen Millionen von Menschen, die mit HIV leben, sich langfristig um ihre Gesundheit kümmern. Wie glauben Sie, können sich unterschiedliche Communities dabei unterstützen?

Wir müssen uns wirklich ernsthaft mit HIV und Älterwerden beschäftigen. Menschen mit HIV leben lange und dabei treten auch für sie Probleme auf, die alle Menschen haben, die lange leben. Ich selbst bin ein Mann, der mit HIV älter wird. Und ich glaube, dass wir mit Menschen und Institutionen zusammenarbeiten müssen, die sich um alte Menschen kümmern, um in diesen Institutionen ein Altern zu ermöglichen, das HIV einschließen kann. Eines unserer Ziele als Unternehmen war und ist es breiter über HIV und Alter zu informieren und Wege zu finden, wie in diesem Bereich Verbesserungen erreicht werden können.

Wie gehen Sie denn persönlich mit HIV und ihrem Älterwerden um?

Ich umgebe mich mit jungen Leuten. Die halten mich jung. Dieser generationsübergreifende Ansatz ist einfach notwendig. Denn wir dürfen nicht vergessen: Wir haben eine ganze Generation verloren. Wenn unsere älteren Freunde und die Mentoren von damals nicht gestorben wären, würden wir uns heute um sie kümmern. Und ältere Männer aus dieser Generation sind auch ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich nehme mir ganz bewusst Zeit für sie und sorge dafür, dass sie haben, was sie brauchen. Denn die Vereinsamung die im Alter stattfinden kann, wird durch HIV noch verstärkt. Es ist also wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, wo und wie Menschen mit HIV alt werden können. Einige queere Menschen nehmen im Altersheim ihr (HIV-)Outing zurück, weil sie sonst dort nicht leben könnten. Hierbei können unsere Erfahrungen mit HIV als Community sehr hilfreich sein. Und für mich selbst denke ich ständig darüber nach, wie und wo ich alt werden will und wen ich dafür als Hilfe benötige.

Es quält mich, wenn ich jemanden, der gerade positiv getestet worden ist, sagen hören muss, dass er nicht wusste, wie er sich schützen kann.

Die US-Kolumnistin Fran Leibowitz sagt, dass uns wegen AIDS die Stories einer ganzen Generation schwuler Männer fehlen, die sie nie erzählen konnten, weil sie so jung starben. Haben Sie ein Buch oder einen Film, die Sie jungen Menschen empfehlen würden, um diese Wissenslücke ein bisschen zu füllen?

Im Frühjahr war ich mit ein paar Freunden im Urlaub, die ich schon sehr lange kenne, 35 oder 40 Jahre. Wir haben eine Kreuzfahrt gemacht. Dabei sprachen wir eines Abends über einen der ersten Filme über HIV und Aids: “Longtime Companion”. Der ist von 1989. Ich sagte: “Oh Gott, ich erinnere mich noch daran, dass ich den alleine sehen wollte.” Und zwei meiner Freunde haben mir das damals einfach kategorisch verboten. Sie meinten: “Den siehst Du dir auf keinen Fall alleine an.” Was gut war. Wir sind einige Tage später in einer größeren Gruppe gegangen. Am Ende mussten mich zwei Leute buchstäblich aus dem Kino tragen. Ich war, wie man so schön sagt, am Boden zerstört. Und an diesen Film muss ich auch heute noch oft denken. Er erzählt eine Liebesgeschichte davon, wie ein Mann seinen kranken Freund bis in den Tod pflegt und was HIV in seinem gemischten New Yorker Freundeskreis auslöst, der für unsere Community steht. Die letzte Szene zeigt sie alle, die Lebenden und die Toten, wie sie auf Fire Island am Strand tanzen und zusammen fröhlich sind. Und den würde ich jungen Menschen, die diese Zeiten nicht erlebt haben, glaube ich, empfehlen. Damit sie wissen, was wir erlebt haben und wie stark wir waren und sind, was wir aufgebaut haben und wie wir einander unterstützt haben und weiter unterstützen.

Gibt es junge Aktivist_innen, deren Arbeit sie bewundern?

Erst einmal: Es quält mich, wenn ich jemanden, der gerade positiv getestet worden ist, sagen hören muss, dass er nicht wusste, wie er sich schützen kann. Und es quält mich auch, wenn jemand, der an AIDS erkrankt ist, heute sagt, dass er nicht weiß, wie er an die Behandlung kommen kann, die er braucht. Deswegen ist es so aufregend, dass es so viele junge Aktivist_innen gibt, die das ändern wollen und daran arbeiten. Eine der deutschen Gruppen, die ich hier besonders erwähnenswert finde, ist “Jugend gegen AIDS e.V.”. Die haben eine sehr überzeugende Strategie.

Interview: Paul Schulz, Foto: Gilead